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Alfa Romeo

Zug, Schweiz

Italienisches Temperament mit verborgenen Reizen

HOERBIGER@MOTION April 2014
TEXT: Peter Weidenhammer

Es ist mein erstes Date mit einer Italienerin seit Jahrzehnten. Ich erinnere mich an Großmutter Giulietta, die mit ihren schlanken Bertone-Formen bis heute bezaubern kann. An leidenschaftliche Episoden mit der kantigen Tante Giulia und deren heißblütigen Schwester Giulia Sprint GT – Legenden allesamt. Gut, das ist lange her. Aber nichts ist prägender als die Leidenschaft der frühen Jahre.

Alfa Romeo – das wird für mich immer nach kernigem Doppelnockenwellenmotor klingen und nach unkatalysiertem Abgas riechen. Nicht vergessen sind die Bilder von erbarmungslosen TÜV-Prüfern mit rostgefärbten Schraubenziehern, die in den Eingeweiden der bella macchina herumgestochert haben.

Wie anders präsentiert sich die Giulietta heute: Das kleine Schwarze steht der Alfa Romeo Giulietta 1.4 Turbo MultiAir gut. Kompakte Abmessungen, gewürzt mit dem Alfa-typischen Schuss Extravaganz. Tadellose Sitze.

Ich drehe den Schlüssel um, glutrote Symbole und Zahlen leuchten vor mir auf. Giulietta erwacht.

Leise und kultiviert meldet sich der Vierzylinder zu Wort.

Giuliettas Herz schlägt mit dem typischen Pochen von vier Zylindern, die sich 1,4 Liter Gesamthubraum teilen. Kleine Motoren mit großer Leistung waren schon immer ein Markenzeichen dieser Italienerinnen. Großmutter Giulietta trug 1954 erstmals den legendären 1.300er-Vollaluminium-Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen unter der wohlgeformten Haube – damals reinrassige Rennsporttechnik.

Die Enkelin kann da mithalten. Dank Turboaufladung lassen sich 170 PS aus der Maschine pressen, was ein Leistungsgewicht von 8,15 kg/PS ergibt. Damit lässt sich was anfangen.

Die moderne Giulietta schafft eine beachtliche Spreizung zwischen Leistung und Verbrauch. 170 PS gegen 5,2 Liter Superkraftstoff in der Euronorm. Nicht schlecht.

Verborgene Reize

Ich fürchte, heute wird’s deutlich mehr. Weniger weil ich einen Co-Piloten habe, der das Leistungsgewicht hochschraubt. Vielmehr weil diese junge Giulietta verborgene Reize hat, die erfahren werden wollen. Und an denen Ottmar Back nicht ganz unschuldig ist.

Ottmar Back ist der ausgewiesene Spezialist für Getriebe-Synchronisierungen bei HOERBIGER. Und einer von jenen Ingenieuren, vor denen ich tiefe Ehrfurcht habe. Sie jonglieren mit Wellen und Zahnrädern, Schaltgabeln und Reibscheiben. Im Prinzip weiß man ja, wie das funktioniert.

Aber rund 150 Teile, die mitunter selbst nochmal aus verschiedenen Komponenten bestehen, richtig zu konstruieren und zusammen zu setzen, dazu muss man schon zu den besten Uhrmachern des Automobilbaus gehören.

TCT – Giuliettas neues Getriebe

Tief unten in der verborgenen Etage ihrer Triebwerksabteilung hütet Giulietta so ein hochmodernes Räderwerk. TCT nennt es Alfa Romeo, die Initialen der leidenschaftslos nüchternen Twin Clutch Transmission.

Auf Giuliettas Flanke steht ein viel treffenderes Stichwort. Veloce. Schnell. Wirklich schnell. Im Bereich von einer Zehntelsekunde. Das ist schneller als ein Kampfrichter beim Zieleinlauf seine Stoppuhr drücken kann. Die Schaltgeschwindigkeit des Doppelkupplungsgetriebes ist nicht zu toppen.

Die Schnelligkeit liegt in der Natur dieses Getriebes. Und ist der Grund für seine Entwicklung. Das Ziel: möglichst schnell schalten, möglichst ohne Zugkraftunterbrechung.

Flink wie ein Wiesel

Passt gut. Giulietta wieselt durch die Berge im Schweizer Kanton Zug als wäre sie hier zuhause. Vorausgesetzt, man hält das Triebwerk bei Laune, sprich Drehzahl. Untenrum versteckt der Vierzehnhunderter seine 230 Newtonmeter ziemlich gut, die erst bei 2.250/min anliegen. Spricht der Turbolader aber erstmal richtig an, geht’s hurtig zur Sache. Übt sich der Vierzylinder im Bummelmodus noch in vornehmer akustischer Zurückhaltung, ist er in den oberen zwei Dritteln seiner Drehzahlspanne gut bei Stimme. Giulietta faucht, wenn man ihr die Zügel freigibt.

Ottmar Back weiß, wie man ihre Sinne noch weiter schärft. D.N.A nennt Alfa Romeo ein Programm charakterbildender Maßnahmen, die auf Fingerdruck Motor, Getriebe, Fahrwerk und Lenkung in drei Stufen verändern. N kenne ich jetzt, A ist für Schnee und der liegt nur noch neben der Straße. D für Dynamik ist angesagt.

Mit dem Temperament Italiens

Giulietta wird zur feurigen Italienerin. Veloce – jawohl. Die zwei klitzekleinen Schalthebelchen am Lenkrad brauche ich eigentlich nur noch zum Runterschalten vor Kurven. Giulietta heult mitunter genervt auf. Ottmar Back nimmt‘s gelassen. Unbedeutend?

Nein, sagt er ganz ehrlich, Schaltsprünge über zwei Gänge oder mehr sind Stress für den Reibbelag der Ringe. Dann sind die Drehzahlunterschiede sehr groß. Aber: HOERBIGER Synchronringe können das ab.

Wir bummeln N-zahm zurück in die Stadt. Giulietta kann doppelgekuppelt auch komfortabel. Nicht so butterweich wie ein Wandlerautomat aber ruckfrei und ohne ernsthafte Beanstandungen.

Das also ist Alfa heute. Einverstanden.